30 Jahre nach der Militärdiktatur steht der einstige Juntagegner Favieros

30 Jahre nach der Militrdiktatur steht der einstige Juntagegner Favieros auf dem Gipfel des Erfolgs. Sein Bauunternehmen floriert die Vorbereitungen fr die Olympischen Spiele 2004 laufen auf Hochtouren. Was also bringt ihn dazu, sich vor laufender Kamera umzubringen? Kostas Charitos verfolgt die LiveSendung mit dem Selbstmord des Bauunternehmers Favieros von zu Hause aus. Er ist noch krank geschrieben, den letzten Fall hat er nur knapp berlebt. Nach drei Wochen Krankenhaus sitzt er nun gelangeilt und miesepetrig daheim, wo seine Frau Adriani die Oberherrschaft an sich gerissen hat. Der Selbstmord von Jason Favieros holt Kostas aus seiner Lethargie. Wie kommt ein Mensch dazu, seinen Abgang so spektakulr zu inszenieren? Bald schon wird Charitos wieder aktiv. Ganz privat. Denn alle Welt soll sehen, dass man auf den alten Charitos nicht so einfach verzichten kann. Der Fall fhrt tief hinein ins heutige Griechenland, zu den Baustellen frs Olympische Dorf, zu den modernen Firmen hinter Fassaden aus Glas und Stahl, zu den Reihenhuschen der Vororte. Mit der ihm eigenen Bedchtigkeit irrt Kostas Charitos in seinem Mirafiori durch das Labyrinth des modernen Athen, unter der prallen Sonne und dem Schatten der Vergangenheit

Heureka! Frohlocket! Kommissar Charitos hat es berlebt. Nach dem mehr als offenen Ende des Vorgngerromans und einer gewissen Wartezeit hat sich Petros Markaris offenbar berlegt, die Serie um seinen Athener Ermittler weiter zu fhren. bietet fr die Fans des Griechen neben einem eigenartigen Fall eine berdosis vom schrgschrulligen Berufszyniker Charitos, seiner Frau Adriani, seinem Chef Gikas und dessen kongenialer Sekretrin Koula.

Als sich vor laufenden Kameras ein griechischer Wirtschaftsboss und Bauunternehmer in einer Talkshow erschiet, ist die Betroffenheit, aber auch die Unglubigkeit der Millionen von Fernsehzuschauern gro. Fr den rekonvaleszenten Kommissar Charitos wirkt es hingegen wie Medizin. Nach langem Krankenhausaufenthalt eigentlich wieder auf dem Damm, zerfliet er vor Selbstmitleid unter dem harten Regiment seiner Gattin. Der geheimnisvolle, weil schamlos ffentliche Selbstmord rttelt ihn endlich wieder wach, die Schnfflernase nimmt Spur auf.

Von hchster Stelle protegiert

Indes hat Gikas das Problem, dass er Charitos Position mit einem politischen Gnstling besetzen musste, der ganz offenbar nicht den Anforderungen des Postens gewachsen ist. Dessen Ermittlungen gehen nmlich in eine vollkommen verkehrte Richtung. Da der Mann aber von hchster Stelle protegiert wird, beschliet Gikas ihn vor die Wand fahren zu lassen und hat insgeheim Charitos seine Sekretrin an die Seite gestellt, damit er sich noch whrend seines Gesundungsprozesses an die geliebte Arbeit machen kann.

Was ihm komisch vorkommt, ist die Verffentlichung einer Biographie ber den toten Manager, die nur wenige Tage nach dessen Tod auf den Markt kommt. Dieses Buch muss bereits vor dem Selbstmord fertig gestellt worden sein. Und dann bringt sich ein prominenter Politiker ebenfalls vor laufenden Kameras um. Charitos kann endlich irgendwo anknpfen, entdeckt, nachdem auch ber den Politiker sehr schnell eine Biografie erscheint, Gemeinsamkeiten in den Lebenslufen, ihr Engagement im Widerstandskampf zur Zeit der griechischen Militrjunta, aber auch ihre gemeinsamen Geschfte und Verstrickungen im Zusammenhang mit den Bauarbeiten im olypischen Dorf und dem Abkassieren von EUSubventionen. Dann wird Charitos das Skript zu einer weiteren Biografie zugespielt. Kann er einen weiteren publikumswirksamen Selbstmord verhindern? Und was kann die Prominenten veranlasst haben, ihr Todesurteil an sich selbst zu vollstrecken?

Figuren mit Herz und Charakter, der Fall auergewhnlich

Die Figuren mit Herz und Charakter, der Fall auergewhnlich, packend und mit einem berzeugenden Finale gekrnt. Dann der Hintergrund, der die Motivation fr Charitos Ermittlungsarbeiten in seinem Genesungsurlaub begrndet: ebenfalls grndlich und detailliert dargestellt. Geradezu zum Verlieben sind die herrlichen Streitszenen zwischen den Eheleuten Charitos, die sich nach vielen Ehejahren einfach zu gut kennen, als dass sie wirklich bse aufeinander sein knnten. Zum Genieen die bissighumorigen Kommentare, die der Autor immer wieder einflieen lsst. Markaris erzhlt gewandt und ist ein sehr feinfhliger und genauer Beobachter der griechischen Gesellschaft mit einer spitzen Feder.

Nach dieser Lobhudelei darf allerdings auch ein klein wenig Kritik nicht fehlen. Besonders nervig ist nmlich die wieder einmal zu hufig und regelmig auftauchende Beschreibung des Athener Verkehrsproblems. Egal, welchen Weg der Kommissar whlt, er beschreibt genau und unter Verwendung der Straennamen seine Strecke und wo er wieder einmal im Stau stecken bleibt. Schtzungsweise 1015% des 500 Seiten dicken Buches werden mit der immer gleichen Beschreibung des Straenchaos verschwendet. Ein zwiespltiges Problem, denn den Lesern in seiner Heimat und besonders den ortskundigen Athener mag er so eine groe Portion Lokalkolorit vermitteln knnen. Seinem auslndischen Publikum mag er damit allerdings ein ums andere mal ein lautes Sthnen entringen.

Live! kann man von vorne bis hinten genieen. Und das brigens auch ganz unabhngig von den Olympischen Spielen, die 2004 in Athen stattfinden. Denn das der Verlag damit wirbt, der Roman spiele mitten in den Vorbereitungen und Bauarbeiten fr die Spiele von Athen, darf wohl unter der Rubrik Werbegag einsortiert werden. Zwei Ausflge auf die Baustellen des olympischen Dorfs sind eigentlich alles, und die sind sehr schnell abgehandelt. Und da der Kommissar am Ende, soviel sei verraten, diesmal eindeutig berlebt, darf man sich wohl schon auf den nchsten Fall aus der spitzen Feder des Griechen Markaris freuen.

Wieder mal ein Buch was man mit Freude lesen konnte, interessante Story mit geschichtlichem R in Griechenlands Vergangenheit. Die Personen sind wieder hervorragend herausgearbeitet. Daneben sind Kostas und seine Familie, der angehende Schwiegersohn alte Vertraute. Die Sekret seines Chefs Gikas finden wir in einer neuen Rolle. Koula stiehlt hierbei Kostas fast die Show.

Kurzum sch Griechenland spannendes Griechenland interessante Griechen. Ja eine lesenswerte Geschichte.

Verdiente 85 Punkte.

Wie bereits bei den beiden vorangegangenen Krimis eine intelligente Geschichte, die mit ihren politischen Bez ein wenig in der Tradition von Sj Wahl steht.

Die gezeichneten Charakt bestechen wieder durch ihre detailgetreue Zeichnung, die zwischen den Zeilen ein lebendiges Bild der griechischen Gesellschaft zeichnen.

F einen Kriminalroman aussergew ist, dass eigentlich nicht die Frage nach dem T sondern die Frage nach der Tat im Vordergrund steht.

Mir hat auch dieser Roman wieder riesigen Spass gemacht.

Zusammenfassend: Sehr zu empfehlen !

Mir hat der gesellschaftliche und historischpolitische Hintergrund des Krimis sehr gut gefallen. Was ich weniger gut finde, ehrlichgesagt nervt es mich, das sind die ewigen Athener Verkehrsprobleme. Das mag ja gut und gern realistisch sein, aber der Krimi w nicht verlieren, wenn die Dauerstaus nicht ganz so ausgewalzt w