Sierra Leone vor dem Hintergrund des chaotischen Brgerkriegs der 90er

Sierra Leone vor dem Hintergrund des chaotischen Brgerkriegs der 90er Jahre: Der Fischer Solomon Vandy (Djimon Honsou) ist von seiner Familie getrennt und zur Arbeit auf den Diamantenfeldern gezwungen worden. Als er einen auergewhnlichen Rohdiamanten entdeckt, versteckt er ihn unter groem Risiko: Falls sein Diebstahl bemerkt wird, hat er sein Leben sofort verwirkt. Aber Solomon wei natrlich, dass dieser Diamant fr sich und seine Familie einen Weg aus der Hlle bedeuten kann. Danny Archer (Leonardo DiCaprio), ein weier ExSldner aus Simbabwe befindet sich in einer gnzlich anderen Situation: Er verdient seinen Lebensunterhalt, indem er Diamanten gegen Waffen tauscht. Als er wegen Schmugglerei im Gefngnis sitzt, erfhrt er von Solomons Geheimnis. Der Gegenwert eines solchen Diamanten wrde auch Archer die Flucht aus Afrika, aus dem Teufelskreis von Gewalt und Korruption ermglichen, mit dem er sich bisher allerdings gut arrangiert hat.

Die idealistische USJournalistin Maddy Bowen (Jennifer Connelly) will in Sierra Leone zunchst nur herausfinden, in welchem Mae die Diamanten die Existenz der Menschen dort beeinflussen und die Machenschaften der profitgeilen Branchenbosse aufdecken. Sie hlt sich an Archer, weil dieser ihr InsiderInformationen fr ihren Artikel liefern kann. Doch bald bemerkt sie, dass Archer sie viel dringender braucht. Maddy hilft Archer und Solomon, das gefhrliche Rebellengebiet zu durchqueren. Archer ist auf Solomon angewiesen, um an den unschtzbaren rosa Diamanten zu kommen, whrend Solomon mit Hilfe von Maddy einen viel wertvolleren Schatz zu finden hofft seinen Sohn, den Rebellen gefangen genommen und zum Kindersoldaten ausgebildet haben.

„Steine, die aus kriegfhrenden Lndern herausgeschmuggelt werden, nennt man KonfliktDiamanten. Sie dienen dazu, weitere Waffen zu kaufen, die Todesrate zu erhhen und das Land noch mehr zu zerstren. Was die Weltwirtschaft angeht, spielen Diamanten vielleicht nur eine untergordnete Rolle, aber dennocht macht die Branche Milliardenumstze was bedeutet, dass auch schon eine kleine prozentuale Beteiligung viele Millionen abwirft und zahllose Handfeuerwaffen finanziert. Die Mitarbeiter nichtstaatlicher Organisationen wie Global Witness, Partnership AfricaCanada und Amnesty International gaben den Steinen in den 1990erJahren einen Namen, um in der ffentlichkeit Bewusstsein fr die Krise zu schaffen: Sie nannten sie „Blutddiamanten“. (Regisseur Edward Zwick)

Edward Zwick gilt schon fast als Experte fr politische und historische ActionFilme. Nach „Glory“ ber den USamerikanischen Brgerkrieg und „The Last Samurai“ nimmt er sich jetzt einem Thema an, das auch fr Hollywood in den letzten Jahren immer attraktiver geworden ist: Den Problemen Afrikas. Zuletzt hatten sich unter anderem RegieAltmeister Sydney Pollack mit „Die Dolmetscherin“ und Terry George mit dem bewegenden „Hotel Ruanda“ mit dem schwarzen Kontinent beschftigt. Nun kommt Zwicks „Blood Diamond“ in die Kinos und wahrscheinlich werden sich auch hierzulande einige Leute darber beklagen, dass Hollywood nun auch ein Land wie Sierra Leone als Abenteuerspielplatz fr einen ActionKracher ausnutzt. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht.

„Blood Diamond“ behandelt ein wichtiges Thema und bereitet es hollywoodgetreu auf. Das sorgt auf der einen Seite fr erhhte Chancen auf einen finanziellen Erfolg (den der Film durchaus verdient), trgt auf der anderen Seite aber zu einer starken Vorhersehbarkeit der Geschichte bei. Als Solomons Sohn von den Rebellen gefangen genommen und zum Kindersoldaten ausgebildet wird, ist schnell klar, worauf die Story hinauslaufen wird. Vor allem in der letzten halben Stunde reibt sich die brutale Authentizitt der BrgerkriegsSzenen mit der Schemahaftigkeit einer HollywoodProduktion. Die Geschichte wird von Etappe zu Etappe unglaubwrdiger, Zwick reibt dem Zuschauer seine Botschaft etwas zu deutlich unter die Nase und der Film ist insgesamt einfach zu lang geraten. Das nimmt zwar etwas den Spa, soll aber nicht darber hinwegtuschen, dass der positive Eindruck hier durchaus berwiegt.

Denn innerhalb der angesprochenen HollywoodFormeln ist „Blood Diamond“ ein mehr als wrdiger Vertreter seines Genres. Die ActionSzenen sind so grandios inszeniert, dass man sich fragen muss, wie Zwick es geschafft hat, solch chaotische und willkrliche Schieereien vllig ohne ComputerTricks zu choreographieren. Die teilweise durchaus harten Sequenzen vermitteln ihre Brutalitt auf eine so kompromisslose und realistische Weise, dass die Gewalt hier mehr schockiert als die Blutgeilheit gewisser Zielgruppen befriedigt. hnlich beeindruckend sind die Darsteller: Djimon Honsou lsst den Zuschauer die Verzweiflung des lokalen Fischers deutlich spren und Jennifer Connelly ist die Rolle der frechen Journalistin wie auf den Leib geschrieben. Leonardo DiCaprio legt nochmal einen drauf und liefert in der Rolle des klassischen AntiHelden voller Zweifel und Zynik eine der komplettesten CharakterDarstellungen der letzten Jahre ab. Sptestens mit dieser Arbeit (und mit Scorseses „Departed“) hat er sein Image abgelegt und gilt mittlerweile vllig zurecht als einer der besten amerikanischen Schauspieler. Seinen perfektionierten afrikanischen Akzent wird man allerdings nur in der OriginalVersion hren, deren Vorzug sich in diesem Fall also noch einmal doppelt lohnt.

In „Blood Diamond“ sind die afrikanischen Rebellen allesamt kaltbltige Ttungsmaschinen und scheinen keinerlei politische Motive fr ihr Tun zu haben. Das mag teilweise sogar zutreffend sein, ganz ohne Vereinfachungen kommt Zwick aber nicht aus. So ist und bleibt „Blood Diamond“ eine HollywoodProduktion und das AfrikaBild im Film ist sicherlich nicht das differenzierteste. Allerdings stellt sich Zwick deutlich besser an, als es Sydney Pollack mit seiner „Dolmetscherin“ tat. Der Grauen des Alltags, die willkrlichen Erschieungen und viele Aspekte der tragischen Geschichte dieses Kontinents werden zwar vereinfacht, aber dennoch deutlich herausgestellt. Das Problem der Konfliktdiamanten sollte auch dem naivsten Zuschauer deutlich werden und das ist es, worauf es schlielich ankommen sollte. Der Film ist kein leidenschaftlicher Angriff auf die SchmuckIndustrie oder politisch sonderlich scharf. Aber im besten Fall erreicht er, dass Kinognger, die den Film primr wegen der Action und den Schauspielern ausgewhlt haben, ber ein wichtiges globales Thema nachdenken. Und das ist in der heutigen Zeit schon viel wert.

Die Problematik von sogenannten KonfliktDiamanten, das Grauen afrikanischer Brgerkriege und der Ausbildung von Kindersoldaten und das Thema KriegsJournalismus. All dies versucht Edward Zwick mit seinem neuen Film unter einen Hut zu bringen. Grtenteils gelingt ihm das zwar, der letzte Teil seines zu lang geratenen Films nimmt der Geschichte durch die stark an herkmmliche HollywoodSchemata angelehnte Dramaturgie allerdings etwas die Wucht. Die Spannung des Films, die grandiose Inszenierung und vor allem die groartige Arbeit der Hauptdarsteller macht „Blood Diamond“ dennoch sehenswert. Ein Film, der groartig unterhlt und nachdenklich stimmt, das Risiko dieses Kontrastes durchaus bewusst eingeht und im Endeffekt trotz einiger Mngel doch beeindruckt.